Corona: Tracing, Tracking & Co - Hilft eine App gegen das Coronavirus? | Possoch klärt | BR24

Von BR24
Veröffentlicht am 09.04.2020


Die Corona-Pandemie eindämmen?
Dafür muss es doch ne App geben…
Bingo!
Und zwar gleich mehrere: Was dahintersteckt,
wo der Unterschied zwischen Tracing und Tracking
liegt, warum es nicht unbedingt stimmt, dass
diese Apps in Taiwan, Südkorea und Singapur
z,B. gegen das Coronavirus geholfen haben
und alles, was Du sonst noch wissen musst,
um die Entscheidung zu treffen: Hole ich mir
diese Anti-Corona-App oder nicht?
Jetzt!
Corona-Apps sollen im Prinzip drei Fragen
beantworten können:
Wer hat mich angesteckt?
Wen habe ich angesteckt?
Halten sich die Leute an die Quarantäne-Maßnahmen,
wie Ausgangsbeschränkungen?
Hier geht’s ums Tracking.
Also darum, genau nachzuverfolgen: Wer war
wann wo und mit wem?
Und natürlich kann ich so auch sehen: Aha,
der war also gar nicht daheim, wie er hätte
sein sollen, der hat gegen die Quarantäne-Maßnahmen
verstoßen.
Und solche Tracking-Apps gibt’s zum Beispiel
in Südkorea und Israel, bzw. da überwacht
sogar der Inlandsgeheimdienst die Handys der
Leute.
Aber: So eine Tracking-App steht in Deutschland
nicht mehr zur Debatte.
Ja, es gab da mal einen Vorstoß von Gesundheitsminister
Jens Spahn (CDU), der wurde aber niedergeknüppelt.
Stattdessen heißt das Zauberwort bei der
Corona-App hier: Tracing!
130 europäische Wissenschaftler und IT-Experten
löten da die Basissoftware zusammen unter
dem schmissigen Titel: "Pan-European Privacy-Preserving
Proximity Tracing", kurz Pepp-PT.
Das ist wie ein Rahmen, ein Grundgerüst,
auf das jeder Staat sein Konzept einer Corona-App
draufsetzen kann.
Das soll sowohl für einen Datenaustausch
sorgen und auch – wichtig – Datenschutz
ermöglich.
Beim Tracing, anders als beim Tracking, geht’s
nicht darum, wer war wann genau wo mit wem
– sondern: hatte ich riskanten Kontakt mit
einem Infizierten?
Also: Person A hat sich die App mit der Pepp-PT-Technologie
aufs Smartphone geholt.
Die App erzeugt eine individuelle Identifikationsnummer,
die sich in regelmäßigen Abständen sogar
ändert.
Die App sucht dann per Bluetooth nach anderen
Smartphones mit derselben App - immer im Hintergrund.
Jetzt kommt Person A in nahen Kontakt mit
Person B, die hat auch die App aufm Handy.
In den Smartphones der beiden wird diese Begegnung
vermerkt - aber nirgendwo hochgeladen.
Weder Person A noch B haben Zugriff darauf,
noch sind die individuellen Identifikationsnummern
auf andere Personen rückführbar.
Es werden keine persönlichen Daten angeben,
also kein Name, keine Anschrift, keine Telefonnummer,
es werden keine Orte oder Bewegungsmuster
gespeichert.
Deshalb sind ja auch viele Datenschützer
im Grundsatz von der Idee überzeugt.
Stellt Person B eine Woche später fest, dass
sie krank ist, kann sie ihren Status in der
App ändern.
Die Gesundheitsbehörden müssen das dann
noch bestätigen, damit niemand das System
ausnutzt, und seine Nachbarn oder Eltern in
Quarantäne schickt.
Daraufhin kann Person A informiert werden,
die sich bei ihrer Begegnung mit Person B
möglicherweise angesteckt hat.
Und genauso alle anderen Kontakte, denen Person
B in letzter Zeit für eine bestimmte Dauer
nahe gekommen ist.
„Klar ist, dass so eine App, ähnlich wie
Gesichtsmasken, auch nur ein Baustein in einer
Strategie gegen Corona sein können.
Aber vielleicht ein Baustein, der auch hilft,
es kommt eben darauf an, wie viele Leute sich
so eine App installieren.
Da wird immer wieder die Zahl genannt von
60 bis 70%.
Das schaffen eigentlich auch normale Apps
kaum, also vielleicht WhatsApp, aber ansonsten
fast keine.“
„In Österreich gibt es eine ähnliche App,
die wurde in den ersten Tagen 200.000 Mal
installiert, das ist schon recht respektabel.
Vielleicht gelingen uns da gute Zahlen.
Man darf auch nicht vergessen: Wenn das 60,
70% machen, wäre das ideal, aber auch wenn
das weniger machen, kann das schon helfen.
Jede Infektion, die nicht stattfindet aufgrund
der App, hilft uns ja schon mal, die Verbreitung
dieses Virus einzudämmen.“
An der deutschen Umsetzung so einer Tracing-Corona-App
sind unter anderem das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut
und das Robert-Koch-Institut beteiligt.
Das Robert-Koch-Institut hat aber auch nochmal
eine eigene App.
Das ist nicht die Tracing-App, die ich gerade
erklärt habe, sondern eine: "Datenspende"-App
für Wearables, also Fitness-Armbänder etwa
von Fitbit, Garmin oder Geräte, die mit GoogleFit
und AppleHealth verbunden sind.
Und diese App „spendet“ dann – wenn
Du das willst – von diesen Geräten Gesundheitsdaten,
wie Puls, Körpertemperatur, Schlaf- und weitere
Daten an das Robert-Koch-Institut.
Außerdem wird Deine Postleitzahl abgefragt.
Das Robert-Koch-Institut will damit Infektionsschwerpunkte
besser erkennen und herausfinden, ob getroffene
Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 so
wirken, wie erhofft.
Am Anfang hatten wir ja die drei Fragen, die
die Corona-Apps beantworten sollen können:
Halten sich die Leute an die Quarantäne-Maßnahmen?
Darum geht’s bei der Corona-Tracing-App
gar nicht.
Wer hat mich angesteckt?
Das ist die Suche nach dem Patient Zero, dem
Indexfall, also dem ersten.
Die war am Anfang spannend, als es den ersten
Fall von Corona beim bayerischen Autozulieferer
Webasto gab, ein importierter Fall.
Da war’s wichtig herauszufinden: Von wem
kam die Infektion.
Das ist jetzt, wo schon so viele Menschen
infiziert sind, überhaupt nicht mehr wichtig.
Jetzt geht’s um die dritte Frage: Wen könnte
ich angesteckt haben!
Und diese Antwort soll eben Tracing liefern.
Aber, ist das realistisch?
Hilft eine App wirklich gegen ein Virus?
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft sagt:
„Kaum etwas ist für die Menschen einschneidender
als die derzeitige Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit.
Wenn sich Möglichkeiten ergeben, dem irgendwie
entgegenzuwirken, sollten wir diese nutzen.
Digitalisierung kann hier eine echte Chance
sein.
Eine wichtige Initiative!“
Befürworter so einer App verweisen ja immer
auf Asien: In Taiwan, Singapur und Co. klappt’s
ja.
Laut dem Virologen Alexander Kekulé gibt’s
keine Studie, die den Zusammenhang beweisen
würde: Wegen so einer App gibt’s weniger
Infizierte.
Ein weiterer Grund, warum die Lage in diesen
Ländern, wie Taiwan und Südkorea, eine andere
ist: die hatten schon mal mit einer Pandemie
zu tun.
SARS 2003.
Alle Fehler, die sie damals gemacht haben,
wollten sie dieses Mal auf keinen Fall machen
und haben daher wesentlich früher wesentlich
energischer reagiert.
Ein weiterer Kritikpunkt von Kekulé: Die
Art und Weise des Kontakts von A und B ist
nicht klar.
Die könnten ja auch zwanzig Minuten beieinandergestanden
haben, aber mit ner Glasscheibe dazwischen,
wie am Flughafen zum Beispiel.
Oder in anderen Situationen, in denen sich
die beiden nicht angesteckt haben können.
Trotzdem sagt die App: Du hattest Kontakt.
Macht also mehr Schaden und Verunsicherung
als Nutzen.
Das normale Vorgehen: Die Gesundheitsbehörden
telefonieren die Leute ab: mit wem sie in
den letzten Tagen seit Symptombeginn riskanten
Kontakt hatten, würde vollkommen ausreichen.
Aber:
Der Virologe Drosten bezieht sich hier auf
eine mathematische Studie, eine Modellrechnung
aus Oxford, die ist in „Science“ publiziert,
einem der wichtigsten Wissenschaftsmagazine.
Und da wurde eben errechnet: wenn 60% der
Bevölkerung diese App haben, dann ist das
schneller und effizienter als das Hinterhertelefonieren
und Befragen von Infizierten seitens der Gesundheitsbehörden,
die ohnehin hart an der Belastungsgrenze arbeiten.
„Ich hab’s noch nie erlebt, dass sich
Datenschützer, Hacker, Freiheitsaktivisten,
Politiker, Wissenschaftler so einig sind wie
gerade – weitgehend einig, dass diese App
ne gute Sache ist.
Wenn man die eben datensparsam programmiert
und das ist hier der Fall, die Konzepte sind
datensparsam, manche datensparsamer als andere,
aber es gibt große Einigkeit darüber, dass
Tracing eine sinnvolle Sache ist.
Jetzt kann es sein, dass wir vielleicht nicht
100% Datenschutz hinbekommen bei der App,
sondern nur 97%, 98%, dass es Fragen gibt,
die sich technisch nicht lösen lassen.
Auf der anderen Seite werden aber gerade auch
große Grundrechte eingeschränkt: Bewegungsfreiheit,
Versammlungsfreiheit.
Ich denke, da muss man vielleicht auch abwägen,
auch wenn das jetzt nicht perfekt ist, es
ist vielleicht eine Möglichkeit, die anderen
Freiheiten wieder ausleben zu können.
Das sollte man auch berücksichtigen.“
Keiner wird gezwungen, diese App zu installieren.
Für die besten Ergebnisse müssten sich in
Deutschland 50 Millionen Menschen diese App
holen freiwillig.
Du weißt jetzt, wie die App funzt, was es
für unterschiedliche Meinungen dazu gibt.
Holst Du sie Dir?
Schreib mir das doch mal in die Kommentare!
Wenn Du sagst: Dankeschön, jetzt kann ich
diese Entscheidung treffen, dann freue ich
mich über ein Like und wenn Du das Video
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Merci und ich seh Dich gesund im nächsten
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