Brutaler Drill: Das Leiden der Kinder in DDR-Erziehungsanstalten | Kontrovers | BR24

Von BR24
Veröffentlicht am 21.06.2020


heute ist der siebzehnte juni ein
wichtiges datum in der deutschen
geschichte
ddr bürger haben den aufstand geprobt
und ihre wut entladen
1953 war dass viele können damit
allerdings nichts mehr anfangen
aber bis heute ist längst noch nicht
alles unrecht das in der ddr geschah
auch aufgearbeitet worden
zum beispiel das leiden von kindern die
zwangsweise in ein heim gesteckt wurden
einige von ihnen leben heute in bayern
und kämpfen auch 30 jahre nach dem ende
der ddr noch für wiedergutmachung zum
fugmann
es ist der morgen des 27
februar 1982 im krankenzimmer des
geschlossenen jugendwerkhof torgau liegt
der 16 jährige rainer folkert
von neun tagen ist ihm der blinddarm
entfernt worden er ist verzweifelt denn
er fühlt sich dem brutalen drin in der
berüchtigten disziplinierung anstalt
nicht mehr gewachsen
für die ddr ist er ein widerspenstiger
jugendlicher im prinzip jeden tag
erwähnt dass das halten nicht mehr
aushalte und heimweh hat und sich das
leben nehmen und wenn sie nicht
rausgelassen wurden woraus im tool auch
die erzieher hat er über seine
selbstmordabsichten informiert trotzdem
reagiert niemand bei einer volker zündet
mullbinden an brauch füllt den raum
andere insassen wie sein freund andreas
wollen helfen
[Musik]
im haushalt stehen dann zu dritt anlage
die tür bekommen peter erzieher und
trieb uns dann mit dem gummiknüppel weg
und wir haben halt geschriebene stück
peter hecktor tür aufschließen das waren
rein nach rausholen können gezogen und
nun herausgetreten und werden gehalt
raus gerannt sind
es sind halt die schreie dann verstummt
also ich gehe davon aus dass in dem
moment der toyota auch andreas golz der
damals noch andreas freundt hieß aber
1982 im geschlossenen jugendwerkhof
torgau eingesperrt da war ein
einzelgänger der mit dem sozialismus
nicht zurecht kam mit zwölf jahren
unternimmt er seinen ersten
fluchtversuch aus der ddr
er ist 14 als er nach torgau kommt hier
soll er mit harter arbeit sport bis zur
völligen erschöpfung und brutale
erziehung diszipliniert werden wer nicht
gehorcht bekommt arrest den tod seines
freundes und leidensgenossen rainer
volkert hat andreas golz der inzwischen
im bayerischen freilassing lebt bis
heute nicht vergessen
denn der tod seines freundes hätte
verhindert werden können meint er
das war bekannt dass er hochgradig
suizid gefährdet ist
das wurde auch keine rücksicht genommen
der tod des 16-jährigen rainer volkert
wird kurz nach dem suizid untersucht im
jugendwerkhof torgau wird er als
besonderes vorkommnis eingestuft es gebe
keinerlei hinweise auf technisches oder
gar personelles versagen
niemand wird zur verantwortung gezogen
im stasi museum in berlin beschäftigt
sich christian sachse mit der heim
erziehung in der ddr die todesfälle in
torgau und in anderen heimen und
jugendwerkhöfen fanden bislang kaum
öffentliche beachtung
im gegenteil also es gab zum beispiel
hinweise ist suizid gefährdet da wurde
nicht gesagt er muss zum psychologen
oder muss besonders nicht behandelt
werden oder etwas anderes sondern musste
unsere verschärfte kontrolle gestellt
werden
sandra kitzingen hat ihren bruder steve
berger ebenfalls im jugendwerkhof torgau
verloren
auch sie hat noch nie öffentlich darüber
gesprochen
die erinnerung an seinen tod am 29 april
1988 lässt sie nicht los
ich finde einfach nur traurig vor allen
dingen dass das ganze ist quasi ein jahr
vom mauerfall passiert ist ein jahr hat
er noch durchhalten müssen dann wird er
wahrscheinlich heute noch leben
fünf tage nach seiner einlieferung nach
torgau erhängt sich steve berger in der
arrestzelle
auch hier wird sofort eine untersuchung
eingeleitet
diesmal ermittelt sogar die
kriminalpolizei ergebnis kein
fremdverschulden mit folgenden
einschätzungen wird das personal
entlastet der suizid sei quasi
zwangsläufig gewesen denn steve berger
sei seit dem kindergartenalter
verhaltensgestört gewesen und habe eine
psychische labilität aufgewiesen
aber ich habe meinen bruder in guter
fröhliche erinnerung ich kann zb
depressive neigung wovon immer
gesprochen wurde und dass er dadurch in
behandlung war und antidepressiva
genommen hat und so weiter kann ich
überhaupt nicht nachvollziehen
gar nicht in thurgauer starben neben
steve berger und rainer völkert in den
letzten zehn jahren der ddr
mindestens drei weitere jugendliche auch
in anderen heimen und jugendwerkhöfen
gab es todesfälle wie viele
minderjährige insgesamt ums leben kamen
ist unbekannt denn diese toten wurden
nie offiziell erfasst
listen gefunden mit den sogenannten
besonderen vorkommnissen und die sind
zum teil handschriftlich zusammen
geschrieben wo man schon mal die
vollständigkeit anzweifeln kann und sie
sind nicht über alle jahrgänge und nicht
mal systematisch archiviert alle
todesopfer waren minderjährig ob
befanden sich in der obhut staatlicher
erziehungs behörden deshalb wäre eine
juristische verfolgung der
verantwortlichen nach 1989 möglich
gewesen
schon im november 1990 stellte ein
unabhängiger untersuchungsausschuss des
kreistages thurgau fest dass es im
geschlossenen jugendwerkhof hertha
zuging als im strafvollzug
obwohl keiner der minderjährigen
aufgrund eines gerichtsurteils
eingewiesen worden war
trotzdem erfolgte nach der wende keine
systematische strafverfolgung der
verantwortlichen
warum nicht das hat man in der
bundesstiftung zur aufarbeitung der
sed-diktatur analysiert es war also auch
ein problem der beweisbarkeit es war ein
problem der verjährungsfristen und es
ist natürlich auch eine frage gewesen
die im einigungsvertrag geregelt worden
ist das unrecht und verbrechen aus der
ddr nach dem jeweils milderen strafrecht
behandelt werden sollten
und all das führte dann letztlich dazu
dass zwar die erzieher in
anführungsstrichen die in torgau ihren
dienst getan haben
1990 entlassen worden sind aber nur ganz
wenige anzeigen erfolgt sind zum einen
und zum anderen aus diesen anzeigen in
der regel keine wirklichen
verurteilungen erwachsen sind
für die betroffenen ist es eine bittere
dass bis heute kein einziger
anstaltsleiter oder erzieher
strafrechtlich belangt worden ist
meiner meinung nach sollte man sich
darum kümmern das sind junge menschen
gewesen mein bruder war 17 jahre alt
unrecht verjährt nur auf dem papier

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