So leidet das brasilianische Volk

Von ZDFheute Nachrichten
Veröffentlicht am 11.07.2020


auf den ersten blick sieht es vielleicht
nicht so aus hier am strand der
copacabana aber snack verkäufer larsson
hat einen knochenjob der ihn gezeichnet
hat stundenlang geht der 39 jährige auf
und ab in der hitze weil er muss der
verkauf am strand ist noch nicht erlaubt
aber ich musste unbedingt wieder
arbeiten weil die hilfe die die
regierung bereitsteht nicht ausreicht
[Musik]
der strand ist das klischee von rio aber
auch ein brennglas der
gesellschaftlichen gegensätze hier
treffen sich arm und reich trifft sich
das schöne leben mit dem überleben
mitmenschen will erhält
jeden tag ist der vier stunden unterwegs
um hier arbeiten zu können wenn es gut
läuft kommt er mit knapp 10 euro nach
hause
ich weiß dass diese grippe viele leute
umbringt aber wenn wir alle zu hause
bleiben dann sterben wir doch genauso
oder ohne arbeit und ohne lebensmittel
eigentlich geld noch stränge
abstandsregeln doch die polizei hat
längst aufgegeben sie durchzusetzen
fast alle ignorieren sie so hat das
virus leichtes spiel
immer mehr menschen erkranken und
sterben brasilien taumelt planlos durch
die pandemie und weil der staat versagt
wird der druck wieder zu öffnen
weiterzumachen als wäre nichts gewesen
stärker wie sehr sehen wir wenn wir den
strand hinter uns dass das chaos ist
zurückgekehrt in die gassen der altstadt
fast die hälfte der brasilianer arbeitet
informell das heißt sie leben von dem
was sie am tag an geld hereinholen
sie müssen raus ein grund warum die
quarantäne nie so richtig funktioniert
hat in brasilien eigentlich sollten erst
nur einzelne geschäfte wieder öffnen
dürfen doch daran hielt sich kaum jemand
erklärt verkäufer vinicius wir sind
brasilianer wir geben niemals auf
wir kämpfen und wohl stellung zur durch
ein paar mal kam der wachdienst der
stadt und hat versucht zu verhindern
dass wir hier wieder arbeiten
dann habe ich einfach alles schnell nach
drinnen geräumt und die tür halb offen
gelassen
auch caro und ihr vater sind
zurückgekehrt
direkt um die ecke vom zdf studio in rio
verkaufen sie endlich wieder mahlzeiten
aus dem kofferraum ihres autos
die zeit der quarantäne war schwer wir
nehmen das risiko in kauf weil wir
arbeiten müssen wenn wir zu hause
bleiben könnten würden wir das tun aber
wir können uns das nicht mehr leisten
nachdem sie eine zeit lang ihre eigenen
vorräte gegessen haben kocht carus
mutter jetzt wieder für andere jede
nacht bis in den morgen
caro hat es für uns gefilmt heute gibt
es rinderzunge mit reis und bohnen eine
portion kostet gut zwei euro
früher waren es 100 mahlzeiten jetzt
fangen sie mit 30 wieder an caro hatte
große hoffnung gesetzt in präsident ball
szenario und den versprochenen
wirtschaftsaufschwung doch den bonus hat
der mit seinem verhalten in der korona
pandemie verspielt ohne mundschutz
unterwegs erst unvorsichtig schüttelt
die hände der leute grüßt sie das heißt
er ist kein vorbild und das sorgt auch
dafür denke ich dass viele leute das
gleiche machen sich nicht an die regeln
halten weil er selbst kein vorbild ist
kein vorbild in der tat inzwischen hat
präsident portion a row selbst das virus
dennoch gibt er sofort nach der diagnose
eine pressekonferenz aus nächster nähe
und nimmt dann sogar die maske ab mir
geht's gut gott sei dank danke an alle
die für mich gebetet haben
niemand hier in brasilien rechnet damit
dass sich an seiner politik der
verharmlosung etwas ändern stattdessen
geht er sterben einfach weiter bei
manchen orten mussten schon massengräber
ausgehoben werden für die toten
brasilien ist auf den weg den usa als
traurigem corona spitzenreiter
konkurrenz zu machen
die last tragen vor allem die ärmsten
wir fahren in die favela marie eines der
größten armenviertel von rio wo die
menschen auf sich allein gestellt sind
ein lastwagen mit spenden ist
eingetroffen
heute sind es seife und
desinfektionsmittel freiwillige einer
bürger organisation laden sie aus wir
helfen uns selbst zu helfen so ist das
immer in der favela
es sind die jungen die anpacken aus
einem einfachen grund ihre chancen eine
corona infektion zu überleben stehen
besser hoffen sie die 20 jahre alte
studentin anja ist eine der
organisatorinnen der selbsthilfe es gibt
so viele tote
soviel traurigkeit bei unseren
angehörigen freunden und bekannten
das treibt uns an wir haben schon ein
mitglied unserer kampagne an das corona
wir uns verloren und meine freundin die
hier auch mit angepackt hat hat auch
gerade des corona virus die verteilung
der güter in den engen gassen der marie
in der bewaffnete banden das sagen haben
ist in diesen zeiten besonders
gefährlich diese bilder haben die helfer
selbst gedreht außenstehende wie wir
sind zurzeit nicht erwünscht das virus
geht um die bewohner haben kaum
möglichkeiten sich zu schützen
wie viele tausend menschen in den
armenvierteln brasiliens dem virus zum
opfer fallen weiß niemand denn wer nicht
getestet wird taucht auch nicht in der
statistik auf
sicher ist nur die zahl der todesfälle
hat sich vervielfacht
diana fühlt sich verraten von ihrer
eigenen regierung der regierung ist die
favela
wir empfinden eine große wut gegenüber
den start denn der staat vernachlässigt
uns nicht nur er ist auch ersichtlich
wir leiden unter den polizeiaktionen
hier in der favela
der großteil der getöteten schwarzen
jugendlichen kommt dass der favela der
großteil der schwarzen menschen die an
corona sterben kommt aus der favela
wir sind gerade das epizentrum des
corona virus und genau sie sind es auch
die jetzt wieder die busse und u bahn
füllen etwa in den noblen
einkaufszentren der süd zone den ganzen
tag über die rolltreppe zu desinfizieren
damit die die es sich leisten können
hier einzukaufen gesund bleiben die
favelas die armenviertel rios bilden den
maschinenraum der stadt putzfrauen
hilfsarbeiter straßenhändler aber auch
lehrer krankenschwestern und busfahrer
leben hier in der masse unentbehrlich
als einzelne aber ersetzbar
seit jahrzehnten die zynische gleichung
die brasilien am laufen und arm und
reich voneinander getrennt hält

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