Corona: Die Wahrheit über die zweite Welle! | Possoch klärt | BR24

Von BR24
Veröffentlicht am 30.07.2020


Mehr als 17 Millionen Corona-Fälle.
Weltweit.
Überall nehmen die täglich neugemeldeten
Fälle zu, stark zu.
Auch bei uns in Deutschland.
„Meine Damen und Herren, die neueste Entwicklung
in Deutschland, die neueste Entwicklung der
Covid-19-Fallzahlen, die macht mir, und die
macht uns allen im Robert-Koch-Institut große
Sorgen.“
Sogar US-Präsident Donald Trump, der das
ja vorher eher locker gesehen hat, sagt inzwischen:
Leute, tragt Masken, die bringen was, ja,
sie sind sogar patriotisch.
Und Trump sagt: Die Corona-Lage wird erst
noch schlimmer bevor sie wieder besser wird.
„It will probably get worse before it gets
better.”
Haben wir’s verbockt?
Sind wir mitten in einer zweiten Welle?
Helfen Pflicht-Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer
wirklich?
Und was jeder einzelne von uns tun kann: Jetzt!
Mehr als die Hälfte der weltweit gemeldeten
Corona-Fälle der letzten sieben Tage kommt
aus Nord- und Südamerika.
Aber auch Ost-Europa und die Balkan-Länder
verzeichnen ein exponentielles Wachstum der
Corona-Kurve.
In West und Südeuropa nehmen die Zahlen langsamer
zu, aber sie nehmen zu.
Länder, die das Virus unter Kontrolle gehabt
zu haben schienen, verlieren sie wieder zunehmend:
Japan, Australien, Spanien, Israel.
Und wir sehen, dass Lockerungen wieder zurückgenommen
werden: Österreich verschärft die Maskenpflicht,
Frankreich verschärft die Maskenpflicht,
Großbritannien hat sie jetzt überhaupt erst
eingeführt, es gibt lokale Lockdowns in Marokko,
In vielen asiatischen Ländern werden neue
Maßnahmen verhängt, zum Beispiel in Vietnam,
Hongkong und China.
Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden
Pandemie, sagt der Chef vom Robert-Koch-Institut,
Lothar Wieler.
„Meine Damen und Herren, die neueste Entwicklung
in Deutschland, die neueste Entwicklung der
Covid-19-Fallzahlen, die macht mir, und die
macht uns allen im Robert-Koch-Institut große
Sorgen.
Wir hatten es ja alle geschafft, die Fallzahlen
über mehrere Wochen stabil zu halten.
Ende Juni, Anfang Juli wurden dem RKI nur
noch 300 bis 500 Fälle täglich übermittelt.
Auch die Zahl der Todesfälle war zwischenzeitlich
deutlich gesunken.
Das ist ein großer Erfolg.
Und dieser Erfolg zeigt uns, dass wir das
Virus eindämmen können.
Aber das gelingt uns nur, wenn wir uns an
die AHA-Regeln halten, meine Damen und Herren.“
Abstand halten.
Hände waschen.
Alltagsmaske tragen.
AHA.
88% halten 1,5m Abstand, 84% waschen sich
20 Sekunden die Hände, 90% tragen eine Maske.
Laut COVID-19 Snapshot Monitoring.
Das ist so eine Umfrage und ein Gemeinschaftsprojekt
von der Universität Erfurt, dem Robert Koch-Institut,
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und noch anderen Instituten.
Link dazu findest Du in der Videobeschreibung!
Das Schutzverhalten ist also, laut dieser
Umfrage zumindest, auf hohem Niveau.
Was sich allerdings verändert hat: die Risikobewertung.
54% schätzen, dass es extrem bzw. eher unwahrscheinlich
ist, dass sie sich mit dem neuartigen Coronavirus
infizieren.
Das sind mehr als vor den Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen
im März.
Was den Experten vom Robert-Koch-Institut
vor allem Sorgen macht: dass es neue Ausbrüche
an vielen Orten in Deutschland gibt - und
bei vielen verschiedenen Ereignissen: Familienfeiern,
Treffen mit Freunden aber auch Ausbrüche
bei der Arbeit und in Pflegeeinrichtungen.
Ist das, was wir jetzt erleben, der Beginn
einer zweiten Welle?
„Wir wissen das natürlich nicht, ob das
der Beginn einer möglichen zweiten Welle
ist, aber er kann es natürlich sein.
Es würde ja mit steigenden Anzahlen… das
wäre ja der Beginn, wenn man im Nachhinein
drüber schaut.
Ich bin nach wie vor optimistisch, dass wenn
wir uns alle an die AHA-Regeln halten, dass
wir das verhindern können, darum nochmal
ganz klar mein Appell an uns alle: Wir können
das verhindern, es liegt wirklich an uns,
das zu tun.
Das heißt, diese Regeln werden wir noch monatelang
begleiten.
Die müssen der Standard sein, die dürfen
überhaupt nie hinterfragt werden.
Abstand halten, Händehygiene und dort, wo
wir Abstand nicht halten können zusätzlich
Alltagsmasken oder Mund-Nasen-Schutz tragen.
Und das gilt für drinnen und draußen.
Das ist die Grundregel, die dürfte und sollte
niemand mehr in Frage stellen.
Das sollten wir einfach so tun.“
Kontaktnachverfolgung, Testen, Menschen in
Quarantäne schicken, Gaststätten oder andere
Orte wieder schließen – das sind alles
nur reaktive Maßnahmen.
Also, das machen wir im Nachhinein, wenn wir
sehen: hier gibt’s nen Ausbruch.
Wir müssten jetzt aber unbedingt den Fokus
auf die proaktiven, also die präventiven,
die vorbeugenden Maßnahmen legen.
Und das sind die AHA-Regeln, um es eben nicht
zu einer schlimmeren, zweiten Welle kommen
zu lassen.
Vielleicht dazu noch kurz: Stichwort „Zweite
Welle“.
Das ist ein Begriff, der sich relativ schnell
in den Medien durchgesetzt hat.
Der ist aber auch nicht unproblematisch.
Verschiedene Virologen kritisieren ihn.
Hendrik Streeck zum Beispiel sagt: Es ist
eher eine Dauerwelle, also nicht so, dass
eine Welle kommt, dann ist die weg, dann kommt
die nächste.
Sondern wie das halt so ist beim Wellengang:
Mal ist die Welle größer, dann wieder kleiner,
aber sie ist immer da.
Jonas Schmidt-Chanasit, auch Virologe, sagt:
Welle heißt ja, dass wir überrollt werden.
Das hätte geheißen: Krankenhäuser sind
so überbelastet, dass Patienten nicht mehr
versorgt werden können.
An diesem Punkt waren wir in Deutschland ja
nie, das heißt, wenn überhaupt müssten
wir jetzt von der ersten Welle sprechen, die
vielleicht passiert.
Der Begriff „zweite Welle“ ist nicht ganz
falsch, der hat auch einen historischen Ursprung
bei der Spanischen Grippe Anfang des
20. Jahrhunderts, den Hintergrund-Artikel dazu
findest Du in der Video-Beschreibung.
„Zweite Welle“ ist für Medien und Politiker
halt schön kurz und prägnant.
Aber was bedeutet er für Dich?
Dir bringt er vermutlich nicht viel außer
einem mulmigen Gefühl.
Wenn Du aber von „zweiter Welle“ hörst,
hörst Du aktuell fast schon automatisch von
Urlaubrückkehrern, die zum großen Teil dafür
verantwortlich sein sollen.
Deswegen sollen die ja jetzt auch verpflichtend
getestet werden bei der Einreise.
Nun.
Das RKI sagt: Ja, bei den aktuellen Zahlen
gibt es auch Fälle von Reiserückkehrern,
die die Infektion mit nach Deutschland gebracht
haben.
Die weitaus meisten haben sich aber in Deutschland
angesteckt.
Zurückkehrende Urlauber sind eine nur Facette
im Gesamtbild, weitere sind eben die Infektionen,
die einfach bei uns passieren, weil wir wieder
mehr lockern, mehr und größere Veranstaltungen
zulassen, und ehrlich gesagt auch, weil wir
mehr testen: so sieht man eben die Infektionen,
die sonst unentdeckt passieren.
Aber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt jetzt:
Wer in einem Risikogebiet Urlaub macht, muss
sich testen lassen.
„Zuerst einmal sind nahezu alle Länder
außerhalb der europäischen Union im Moment
Risikogebiet.
Wir sehen ja auch in den USA, in Brasilien,
in vielen anderen Ländern: Wir sind mitten
in der Pandemie.
Die Infektionszahlen sind hoch.
Und gleichzeitig gibt die rechtliche Grundlage,
das Infektionsschutzgesetz es auch ausdrücklich
her, nur für Einreisende aus Risikogebieten.
Das ist denke ich auch richtig, es geht ja
auch um eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahme,
aber es ist eben auch wichtig, es zu machen.
Wir wollen sicherstellen, dass nicht aus diesen
Ländern dieses Virus zurück nach Deutschland
getragen wird, wo wir doch unter großen Mühen
es gerade unter Kontrolle gebracht haben.“
Das hat er in einem spannenden Interview mit
Ingo Zamperoni in den Tagesthemen gesagt,
das komplette Gespräch hab ich Dir auch in
der Video-Beschreibung verlinkt.
Und Ingo Zamperoni hakt da auch beim Gesundheitsminister
nach: Wieso nur bei Urlaubern aus Risikogebieten?
Wenn wir schauen: Wolfgangsee in Österreich
ist Hotspot, aber kein Risikogebiet, Katalonien
ist Hotspot, aber kein Risikogebiet.
Plus dazu: eines der Labore, das die Tests
für die Reisenden am Flughafen Frankfurt
durchführt, das stellt fest, dass die meisten
positiv-Getesteten eben nicht aus Risikogebieten
gekommen sind…
„Am Ende, Herr Zamperoni, ist das ja ein
Eingriff in die persönliche Freiheit, der
muss natürlich gut gerechtfertigt sein, verhältnismäßig
sein…“
„Ein neuer Lockdown als Risiko ist doch gerechtfertigt..?“
„Bin ich voll bei Ihnen, deswegen sag ich
ja, ist es bei Risikogebieten auch eben sehr
gut zu rechtfertigen, eine entsprechende Verpflichtung
einzuführen.
Und wir müssen jeden Tag schauen, welche
Gebiete wir zu Risikogebieten dann erklären.
Ich weiß noch sehr gut, wie wir am Anfang
etwa Südtirol, bestimmte Regionen Österreichs
zu Risikogebieten erklärt haben, im Februar,
März, wie es damals übrigens viel Unverständnis
gab für diese Entscheidung.
Und natürlich wäre das auch heute wieder
möglich.
Ich sag noch einmal, wir schauen uns jeden
Tag das Infektionsgeschehen an.
Und jenseits von einzelnen Tagesmeldungen,
sobald das gerechtfertigt ist, würden und
werden auch weitere Gebiete zu Risikogebieten
erklärt.
Mir macht zum Beispiel die Entwicklung – Sie
erwähnten Katalonien – in Teilen Spaniens
große Sorgen.
Weil ja auch Spanien ein großes Urlaubsland
für viele Deutsche ist.“
Je nachdem, wo Du bist und dieses Video guckst,
fängt bei Dir auch gerade erst die Ferienzeit
an, oder aber Du bist schon mittendrinn oder
aber die ist schon wieder rum und Du bist
vielleicht schon wieder ausm Urlaub zurück.
Also warum wird da erst jetzt drüber diskutiert,
was man mit Urlaubsrückkehrern machen soll?
Spahn sagt dazu: man kann immer fragen, ob
eine Regelung zwei Wochen früher nicht besser
gewesen wäre.
Jetzt ist aber der richtige Zeitpunkt, da
es einen noch sehr eingeschränkten Flug-
und Reiseverkehr in Nicht-EU-Staaten gibt.
Die weitaus spannende Frage ist doch auch:
Bringt das überhaupt was aus virologischer
Sicht?
Da sind wir alle keine Experten, auch wenn
einige meinen, ich hab n paar Podcasts gehört,
so schwer ist das nicht…
Und der Virologe sagt dazu: Verpflichtende
Tests bei der Einreise können sinnvoll sein,
wenn sie in ein Gesamtkonzept eingebettet
sind, so Jonas Schmidt-Chanasit im Interview
mit der Bayern-2-radioWelt.
Das kann also nicht die alleinige Maßnahme
sein.
Und vor allem: richtig sinnvoll wäre es dann,
wenn es nicht nur den einen Test am Flughafen
gibt, sondern einen zweiten sieben Tage später.
Weil man sich ja vielleicht nicht im Urlaub
selbst, sondern im engen Flieger auf dem Rückweg
infiziert hat.
Aber: selbst bei einer Pandemie ist die Virologie
nicht alles.
Es sind eben aktuell vor allem junge Menschen,
die sich mit dem Coronavirus infizieren, deshalb
bleibt ja im Verhältnis die Todesrate eher
unten.
Und ja, Du hast recht: Die Gleichung: Corona-Positiv
= Covid-19-Erkrankt = Schlecht!
stimmt nicht.
Nicht jeder, der infiziert ist, ist auch krank.
Aber er ist ansteckend.
Und gerade dann, wenn die AHA-Regeln bröckeln,
wenn wir nachlässig werden, steigt die Wahrscheinlichkeit,
dass man jemanden infiziert, der das nicht
so leicht wegsteckt wie man selbst.
Den BR24-Kanal kannst Du hier abonnieren,
eine Playlist mit allen Possoch klärt’s
die ich gemacht habe, also auch ein paar ohne
Corona-Bezug, wenn Dich das bockt, findest
Du hier!
Ich danke für Dein Like und sage Merci und
ich seh Dich gesund im nächsten Video!

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