KEINE CLUBS UND KONZERTE: Wie die Corona-Krise eine Boom-Branche komplett abgewürgt hat

Von WELT Nachrichtensender
Veröffentlicht am 30.08.2020


ja als es dann losging mit der krone
pandemie als die ersten nachrichten
auftauchten habe war ich mit der sache
noch gar nicht so bewusst was da auf die
veranstaltungsbranche beziehungsweise
auf mich zukommt ich hatte tatsächlich
ein tag bevor das veranstaltungs verbot
ausgesprochen wurde noch ein auftrag den
tag hab ich kein geld mehr verdient das
ist tatsächlich so
jetzt dagegen dass die das grübeln los
was macht man jetzt damit man eben sein
leben weiter vernünftig leben kann
mein name ist christian eggers ich bin
36 jahre alt ich bin frei schaffender
tontechniker und musiker und seitdem
veranstaltungs verbot habe ich keine
arbeit mehr
und seitdem ist das für mich eine sehr
erdrückende situation da diese dieser
job sehr also eine leidenschaft für mich
war die ich gerne ausgeübt habe
als tontechniker habe ich angefangen
2015 da habe ich mich selbstständig
gemacht davor habe ich das eher als
hobby betrieben und nachdem ich gemerkt
habe dass die arbeit die ich mache gut
ankommt habe ich mich dazu entschieden
das dann als freiberuflicher techniker
auszuüben
sprich geld damit zu verdienen ja das
lief am anfang auch sehr gut und ich
habe dann vorzugsweise bands betreut
und das hat sich dann weiterentwickelt
bis zu dem thema das sich auch
konferenzen betreuen durfte und messen
das war auch der grund dafür dass ich
nach berlin gezogen bin
also bei mir war es so dass ich mich
erst mal dazu entschieden habe mit der
technik meine auftraggeber zu arbeiten
damit ich mir ein gewisses kapital
aufbauen kann und ich gewinne erzielen
kann
damit ich dann in die technik
investieren kann
die ich gerne bedienen möchte und das
hat nach einem jahr konnte ich das auch
schon umsetzen hat mir dann eigene pr
technik gekauft lautsprecher mischpult
kabel mikrofon alles was dazugehört um
eine band entsprechend verkabeln zu
können ich hatte das große glück dass
eine band auf mich aufmerksam geworden
ist
die eine neue scheibe raus gebracht hat
das war eine metalband dementsprechend
gab es ja eine tour die er so über die
wochenenden gelegt war
und auch auf verschiedenen festivals
darunter war auch das wacken festival
oder das summer breeze oder auch das
rock hard festival und da habe ich für
mich als tontechniker noch mal wirklich
schöne neue erfahrung gemacht habe weil
es einfach mal
andere größenordnung war ich hatte sehr
volle auftragsbücher
ich war quasi jeden tag unterwegs und
konnte meine leidenschaft somit
nachgehen also war quasi mein wunsch zum
beruf geworden
in voller gänze ja als es dann losging
mit der krone pandemie als die ersten
nachrichten auftauchten habe war ich mit
der sache noch gar nicht so bewusst was
da auf die veranstaltungsbranche bzw auf
mich auch zukommt ich hatte tatsächlich
einen tag bevor das veranstaltungs
verbot ausgesprochen wurde noch ein
auftrag und da lag das lag das schon so
ein bisschen in der luft dass unter den
kollegen dass er jetzt eventuell was
sehr schlimmes auf uns zukommen kann
aber so richtig realisieren will man das
ja gar nicht aber leider wurde das
realität und nun stehen da sehr viele
menschen ohne arbeit da und ich auch und
das ist für mich eine sehr schreckliche
situation ab dem tag habe ich kein geld
mehr verdient das ist tatsächlich so
viel an sparen kann man sich auch nicht
nicht wirklich viel das heißt jetzt
dagegen dass die das grübeln los
was macht man jetzt damit man eben sein
leben weiter vernünftig leben kann
es ist einfach nur veranstaltungen
finden jetzt nicht mehr statt
es gibt weder eine lobby auf die man
zurückgreifen konnte es gab keine
übergeordnete stelle oder behörde auf
die man zurückgreifen konnte es war es
der der boden unter den füßen war
einfach weg es war einfach nichts mehr
da worauf man stehen konnte tatsächlich
ich habe mich dann beworben als security
als sicherheitsfachkraft als revier
fahrer um es mal genau zu sagen mein job
war es dann ungefähr 200 stunden im
monat also kann sich das vorstellen fünf
tage in der woche zwölf stunden pro
nacht durch berlin zu fahren und gebäude
abzuschließen und alarme langsam
zu schalten finanziell kann mich damit
über die runden aber auch nur über die
runden also ich habe mich während ich
dort als revier pfarrer tätig war habe
ich mich umgeschaut was ich doch anderes
machen können kann oder könnte
und für mich war es wichtig das ist was
mit menschen zu tun hat wie auch in der
veranstaltungsbranche
und es muss ein sozialer beruf sein also
habe ich mich als fahrer im pflege
wohnzentrum beworben um dort die
klienten wie man so schön sagt morgens
abzuholen von zu hause in die
tagespflege zu bringen und nachmittags
dann wieder nach hause zu bringen
[Musik]
ja
so
der job macht mir tatsächlich sehr sehr
viel spaß
ich werde den wahrscheinlich auch nicht
aufgeben den job ich werde weitermachen
wollen weil mit dieser persönliche
kontakt zu den menschen einfach sehr
wichtig ist die kollegen sind super lieb
super nette menschen dort ich habe tolle
vorgesetzte und der kontakt zu den
klärenden allein schon die erfahrung die
man sammeln kann man erzählt ja auch mal
miteinander und die klienten geschichten
zu erzählen
es ist eine große bereicherung für mich
einfach auch für das eigene leben stärke
heraus zu ziehen
das ist eine stelle die auf maximal 46
stunden im monat beruht man morgens zwei
stunden unterwegs meines alltags zwei
stunden unterwegs und da kann man sich
selber ausmalen was am ende des monats
bei rauskommt ich habe aber das glück
dass meine frau auch arbeiten geht und
somit haben wir sagen wir mal eine
schwarze null und keine rote null also
für mich ist es so dass ich in aller
erster linie möchte ich nicht einrosten
mit dem wissen was ich mir angeeignet
habe deswegen habe ich mich dazu
entschieden ein kleines studio
aufzumachen ein home studio in erster
linie darum um eine eigene band
aufzunehmen und zu mischen und da
entsprechend ja arbeit zu haben die
natürlich nicht bezahlt wird
aber diese es geht ja einfach auch mehr
um die leidenschaft ja man hat so viel
spaß an dieser arbeit also ich kann mir
nicht vorstellen dass ich kein geld mehr
als tontechniker verdienen in zukunft
ist es so dass ich glücklicherweise ein
arbeitgeber gefunden habe der mich
einstellt um hier in berlin ja eine
zweigstelle aufzumachen und dort habe
ich erst mal eine
sozialversicherungspflichtige
einstellung und dort ist es meine
aufgabe erst mal auch andere menschen
arbeit zu bringen und ich kann auch wenn
es dann wieder losgeht mit der
veranstaltungsbranche wieder als
tontechniker arbeiten und kann damit
quasi mein geld dann wieder verdienen
ich muss ehrlich sagen dass die
situation mir gezeigt hat dass eine
gewisse sicherheit erforderlich ist für
mich persönlich
das heißt ich möchte im
angestelltenverhältnis bleiben und werde
nicht mehr die eigene verantwortung da
dahingehend übernehmen
und ja möchte einfach über einen
arbeitgeber abgesichert sein
also ich habe mich dagegen entschieden
staatliche hilfe in anspruch zu nehmen
weil ich auch einfach die befürchtung
habe dass ich das irgendwann
zurückzahlen muss und ich ja gar nicht
weiß wovon das ist immer ein großes
problem
deswegen habe ich ja eben diesem revier
fahrer job gemacht und jetzt im pflege
wohnzentrum damit ich nicht abhängig
sein muss nicht zwingend
ich denke die veranstaltungsbranche wird
sich erholen
es gibt den bedarf an kultur
der ist da und auch wenn es jetzt leider
so sein wird dass es unternehmer gibt
die wahrscheinlich bankrott gehen wird
es aber auch wieder leute geben die
daraus etwas neues erschaffen können und
es wird sich was ändern ich sage nur
live stream konzerte etc pp oder
konzerte mit abstandsregeln es wird sich
was ändern ganz klar aber es wird
weitergehen
dadurch davon bin ich fest überzeugt
dass es weiterhin kultur geben wird nur
wahrscheinlich auf eine andere art und
weise
[Musik]
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